Im Mittelpunkt steht das Kind
Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Kind. Diese Haltung teilen wir mit der Reggio-Pädagogik, nach deren Mitbegründer Loris Malaguzzi unser Campus benannt ist. Reggio ist keine festgelegte Methode und kein Programm, das man abarbeitet, es gibt dafür kein Lehrbuch und keine vorgeschriebenen Abläufe. Was es gibt, ist ein Blick auf Kinder, der unsere ganze Arbeit prägt. Daneben finden sich bei uns Montessori und weitere reformpädagogische Ansätze, die dieselbe Überzeugung teilen. Wir wählen aus, was dem einzelnen Kind und der Situation gerecht wird.
Selbstständigkeit ist das Ziel, nicht die Voraussetzung
Sein eigenes Lernen zu organisieren, ist anspruchsvoll, für Erwachsene wie für Kinder. Deshalb beginnen wir mit Begleitung und Führung: klare Strukturen, überschaubare Aufgaben, jemand, der mit dem Kind plant und nachfragt. Erst nach und nach öffnet sich die Lernumgebung.
Wann das geschieht, hängt von zwei Dingen ab. Das eine sind die sozialen Fähigkeiten, die es braucht, um in einer Gruppe zu lernen: zuhören, sich abstimmen, bei einer Sache bleiben, auch wenn nebenan etwas Interessanteres passiert. Das andere ist das Lesen. Und Schreiben.
Lesen und Schreiben als Schlüssel
Lesen und Schreiben sind die wichtigste Kompetenz überhaupt, um selbsttätig zu werden. Wer sicher liest und schreibt, kann sich Arbeitsaufträge selbst erschließen, in Materialien nachschlagen und einer eigenen Frage nachgehen. So wird selbstständiges Arbeiten möglich.
Deshalb hat der sichere Erwerb von Lesen und Schreiben bei uns in den ersten Schuljahren Vorrang, und die Lernzeiten sind in dieser Phase deutlich stärker geführt. Je sicherer ein Kind liest und schreibt, desto mehr Türen stehen ihm offen im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.
Was das im Alltag bedeutet
Unsere Gruppen sind sehr unterschiedlich zusammengesetzt, und diesen Anspruch jeden Tag einzulösen, ist anspruchsvolle Arbeit. Sie gelingt, weil die Kinder uns selbst zeigen, was sie brauchen und wann sie für den nächsten Schritt bereit sind, damit sie so nach und nach aus begleiteten Lernenden zu eigenständigen Lernenden werden.
Was ein Kind allein entscheiden kann, entscheidet es allein. Wo es Halt braucht, bekommt es Halt. Die jahrgangsübergreifenden Gruppen machen das möglich, weil in ihnen verschiedene Grade von Selbstständigkeit nebeneinander Platz haben.
Projekte, Werkstätten und außerschulische Orte
Gelernt wird bei uns in Projekten und an Fragen, die von den Kindern kommen. Vieles davon geschieht in Werkstätten und Ateliers, draußen in der Natur, im Schulgarten, in unserer Kinderküche und an außerschulischen Lernorten. Experimentieren, Gestalten und Forschen sind die Art, wie die Kinder sich ihre eigenen Antworten und Inhalte erarbeiten.
Jahrgangsübergreifend lernen
In der Grundschule lernen die Kinder in jahrgangsübergreifenden Gruppen: Klasse 1 bis 3 und Klasse 4 bis 5. Die sechste Klasse wird eigenständig geführt. Die Älteren haben vieles schon durchlaufen, was die Jüngeren gerade lernen; so können beide profitieren, die einen durch Vorbilder, die anderen dadurch, dass sie erklären müssen, was sie können.
Woher die Reggio-Pädagogik kommt
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in der norditalienischen Region Reggio Emilia neue Kinderkrippen und Kindergärten. Der Grundschullehrer Loris Malaguzzi gestaltete sie gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, vor allem mit den Müttern. Neu war daran, dass nicht nur das Kind im Blick stand, sondern ebenso seine Familie, die pädagogischen Fachkräfte und das Gemeinwesen. Diese enge Zusammenarbeit aller Beteiligten ist bis heute der Grundgedanke der Reggio-Pädagogik, ebenso wie demokratische Erziehung, Solidarität und gerechte Bildungschancen für alle Kinder.
International ist die Reggio-Pädagogik vor allem in der frühkindlichen Bildung anerkannt. Auf dem Loris Campus wird die innewohnende Haltung und Prinzipien auf die Schule übertragen.
Unsere fünf Grundpfeiler
In der Oberschule
Die Oberschule führt diese Arbeitsweise fort. Gearbeitet wird in 90-Minuten-Blöcken, die Zeit lassen, einem Thema wirklich nachzugehen. Die Jugendlichen bringen aus der Grundschulzeit mit, was selbstreguliertes Lernen braucht und bekommen entsprechend mehr Verantwortung für ihre eigene Arbeitsplanung.
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